Das Wichtigste in Kürze

  • Kalkuliere nicht die Leistung, sondern die Zeit – alles andere folgt daraus.
  • Drei Faktoren bestimmen die Zeit: Größe, Fellzustand und Verhalten des Hundes.
  • Ein Zuschlag für Verfilzung ist fairer als ein pauschal höherer Grundpreis für alle.
  • Preise erklären sich nicht von selbst. Wer sie begründet, muss seltener diskutieren.

Warum Pauschalpreise im Grooming nicht aufgehen

Zwei Hunde, dieselbe Leistung „Waschen und Schneiden", zwei völlig verschiedene Arbeitstage: Der eine ist in 60 Minuten fertig, der andere braucht zweieinhalb Stunden, weil das Fell verfilzt ist und er nach jedem Abschnitt eine Pause braucht. Wenn beide dasselbe zahlen, arbeitest du beim zweiten Hund für einen Bruchteil deines Stundensatzes – und der erste Kunde zahlt zu viel.

Deshalb ist der erste Schritt nie die Preisliste, sondern die Frage: Wie lange dauert das bei mir wirklich?

Schritt 1: Deinen Stundensatz ermitteln

Rechne von deinen Kosten aus nach oben, nicht von der Konkurrenz nach unten. Du brauchst drei Zahlen:

  1. Deine monatlichen Fixkosten: Miete, Strom, Wasser, Versicherungen, Software, Fahrzeug, Rücklagen für Geräte.
  2. Dein gewünschtes Einkommen vor Steuern – inklusive Urlaub, Krankheit und Altersvorsorge.
  3. Deine tatsächlich verrechenbaren Stunden pro Monat. Das sind nicht deine Arbeitsstunden: Beratung, Reinigung, Einkauf, Buchhaltung und Telefonate sind unbezahlte Zeit.

Der Stundensatz ergibt sich aus (Fixkosten + Einkommen + Materialkosten) geteilt durch die verrechenbaren Stunden. Die Materialkosten pro Hund – Shampoo, Pflegemittel, Verbrauch – schlägst du danach obendrauf.

Schritt 2: Die drei Faktoren, die deine Zeit bestimmen

Größe

Die offensichtlichste Stellgröße und der übliche Einstieg in jede Preisstaffel. Drei bis fünf Klassen reichen – etwa klein, mittel, groß, sehr groß. Wichtig ist, dass du die Klassen an der Arbeitszeit ausrichtest und nicht am Gewicht auf dem Papier: Ein dichtfelliger mittelgroßer Hund kann mehr Arbeit machen als ein kurzhaariger großer.

Fellzustand

Verfilzungen, Unterwolle, lange Pflegepausen – das ist der Faktor mit der größten Streuung. Arbeite hier mit einem Zuschlag, nicht mit einem höheren Grundpreis für alle. Ein Zuschlag ist begründbar („zusätzliche Entfilzungszeit"), ein pauschal höherer Preis bestraft die Kunden, die regelmäßig kommen.

Verhalten und Erstbesuch

Ein ängstlicher Hund braucht Pausen, ein Welpe beim ersten Termin braucht Zeit zum Ankommen. Viele Salons legen dafür eine eigene Leistung an – zum Beispiel ein kürzeres, günstigeres Kennenlernen. Das ist kalkulatorisch sauber und fachlich sinnvoll.

Schritt 3: Die Preisstaffel aufbauen

Aus Stundensatz und Zeitbedarf ergibt sich der Preis fast von allein. Ein Rechenbeispiel – deine Zahlen werden abweichen, der Weg bleibt derselbe:

Rechenbeispiel für eine Leistung
  • Stundensatz laut deiner Kalkulation: 60 € (Beispielwert, kein Marktpreis).
  • Komplettpflege für einen mittelgroßen Hund, erfahrungsgemäß 90 Minuten → 90 €.
  • Materialanteil pro Hund, zum Beispiel 6 € → Grundpreis 96 €, gerundet 95 €.
  • Zuschlag Entfilzung: pro angefangene 15 Minuten → 15 €.
  • Dieselbe Leistung für einen kleinen Hund, 60 Minuten → 65 €.

Wenn du die Preise online zeigst, nenne sie als „ab"-Preis pro Größenklasse und erkläre die Zuschläge in einem Satz. Damit vermeidest du die zwei häufigsten Enttäuschungen: einen Preis, der am Ende höher ausfällt, und ein Angebot, das unkalkulierbar wirkt.

Schritt 4: Preise erklären, statt sie zu verteidigen

Die meisten Preisdiskussionen entstehen, weil der Kunde nicht sieht, was in der Zeit steckt. Zwei Sätze zur Erklärung wirken oft mehr als jeder Rabatt: „Die Entfilzung hat heute 30 Minuten zusätzlich gebraucht – deshalb der Zuschlag. Wenn ihr in acht statt zwölf Wochen kommt, fällt der beim nächsten Mal weg."

Das ist keine Verkaufstechnik, sondern eine faire Information: Der Kunde kann den Preis beim nächsten Mal selbst beeinflussen – und du bekommst kürzere Pflegeintervalle, was für den Hund ohnehin besser ist.

Schritt 5: Preise erhöhen, ohne Kunden zu verlieren

  • Kündige die Erhöhung an, mit vier bis sechs Wochen Vorlauf und in einem Satz Begründung.
  • Erhöhe in klaren Schritten, nicht in Cent-Beträgen. Kleine, häufige Anpassungen fallen stärker auf als eine saubere Anpassung alle ein bis zwei Jahre.
  • Erhöhe nicht überall gleich. Leistungen, die dich überdurchschnittlich viel Zeit kosten, haben den größeren Nachholbedarf.
  • Erwarte Abgänge – und rechne nach: Wenn zehn Prozent der Kunden gehen und der Preis um fünfzehn Prozent steigt, hast du bei weniger Arbeit mehr verdient.

Preise und Zeiten dort hinterlegen, wo gebucht wird

Eine Kalkulation nützt wenig, wenn im Kalender trotzdem überall 60 Minuten stehen. In Salonary kannst du deinen Leistungen je Größe eigene Preise und Behandlungszeiten geben – Tierart, Rasse und Größe gehören zum Buchungsablauf. Damit landet der Zeitbedarf, den du gerade ausgerechnet hast, automatisch im Kalender, statt nur in deinem Kopf zu existieren.

Wie du die Leistungen dafür aufsetzt, steht im Leitfaden zur Online-Terminbuchung im Hundesalon. Und wenn deine Zeiten regelmäßig nicht aufgehen, lohnt der Blick auf Terminausfälle und ihre Ursachen.

Fazit: Wer die Zeit kennt, kennt den Preis

Kalkulation im Grooming ist keine Preisfrage, sondern eine Zeitfrage. Miss ehrlich, staffle nach Größe, arbeite mit Zuschlägen statt mit Pauschalen – und erkläre beides in einem Satz. Dann ist der Preis kein Verhandlungsthema mehr, sondern eine nachvollziehbare Rechnung.

Häufige Fragen zur Preiskalkulation im Hundesalon

Soll ich meine Preise öffentlich auf die Website schreiben?

Ja, zumindest als Preisspanne oder „ab"-Preis je Größenklasse. Wer keine Preise findet, fragt entweder nach – was dich Zeit kostet – oder klickt weiter. Die Zuschläge erklärst du in einem Satz darunter.

Wie gehe ich mit stark verfilztem Fell um?

Über einen Zeitzuschlag, der vorher bekannt ist, zum Beispiel pro angefangene 15 Minuten. Sprich den Aufwand am besten vor Beginn kurz an: Ein Preis, der während der Behandlung angekündigt wird, überrascht niemanden an der Kasse.

Wie viele Größenklassen sind sinnvoll?

Drei bis fünf. Weniger wird ungenau, mehr versteht niemand mehr. Richte die Klassen am tatsächlichen Zeitbedarf aus und nicht allein am Gewicht.

Was mache ich, wenn die Konkurrenz deutlich günstiger ist?

Erst nachrechnen, dann reagieren. Häufig kalkuliert der günstigere Salon die unbezahlte Zeit nicht mit. Wenn deine Kalkulation sauber ist, ist der Preis richtig – die Aufgabe liegt dann in der Erklärung deiner Arbeit, nicht in der Senkung des Preises.

Kann ich in Salonary je Größe unterschiedliche Preise hinterlegen?

Ja. Leistungen können je Größe eigene Preise und Behandlungszeiten bekommen, und Tierart, Rasse und Größe sind Teil des Buchungsablaufs. Damit stimmen Preis und eingeplante Zeit schon bei der Buchung.